… Heisst es bei Monopoly und die Karte verspricht eine sehr „eingeschränkte Runde“. Sicherlich ist der Entzug der Freiheit das charakteristischste Merkmal eines Gefängnisses; etwas weniger auffällig, aber zeitgleich noch schmerzhafter für den Häftling, ist die einhergehende Erniedrigung z.B Musterungsprozesse, Zwangskörperreinigungen, die optische Gleichschaltung mit den anderen Insassen, Sinnesfolter durch Schlafentzug. Auch Spielball sadistischer Wärter zu sein, oder schlimmer noch: das Vergewaltigungsopfer, mit der einhergehenden, faktischen Rechtelosigkeit, gegen keine dieser Maßnahmen etwas unternehmen zu können, sind nur ein paar Gründe, eine Haftanstalt bis ins Mark zu fürchten. Was dem Einen ein Gräuel, ist dem Anderen ein Höchstgenuss, denn diese Rechtlosigkeit ist verbunden mit der befreienden Abgabe von Verantwortung.

Da haben wir nun 2021, und der Unterschied der Geschlechter ist noch immer nicht vergleichbar mit der Wahrnehmung der Unterschiede, wie z.B. bei der Haarfarbe. In der Politik bleiben die Thatchers und Merkels eine Seltenheit, in der Wirtschaft bekommen Frauen im Schnitt weniger Lohn als wir „Drei-Beiner“, andererseits hält sich im Lifestyle hartnäckig das Gerücht, dass der Mann zum ersten Date initiativ vorgehen muss, so wie finanziell, „in Vorleistung“.

Eines der größten Vorurteile beim Petplay ist, dass es sich hier im Wesentlichen um sexuelle Handlungen im Tierkostüm handelt. Das ist (so auch in meiner Erfahrungswelt) nicht unbedingt der Fall. Natürlich lässt sich Sexualität hier hervorragend integrieren, ist aber nicht immer notwendiger Bestandteil, bzw., kann es sich auch einfach schön anfühlen, ohne dass ein Orgasmus stattfinden muss. Ich glaube, dieses Vorurteil resultiert noch aus den sexuellen Bildungsmaßnahmen der 70‘er Jahre, namentlich „Schulmädchenreport“, wo gefühlt in jeder Folge ein dusseliger Lehrer eine Lehrerin als trotteliger Hengst vom Kleiderschrank aus bespringen wollte. Natürlich lädt diese Spielart im Besonderen zu Spott und Höhne ein, da sollten wir BDSM‘er jedoch entspannt drüberstehen, denn im Vergleich wurde jede kleinste Regung des Vanillasexes 100 mal häufiger Opfer einer Vielzahl an Witzen.

In der letzten Ausgabe habe ich bereits von meinem Dauerklienten Olaf erzählt, und wie schön wir zusammen Hundespiele machen. Sobald ich merke, dass mir ein Spiel wirklich Spaß macht, und es evtl. auch noch eine Ästhetik anbietet, drängt sich eine andere sexuelle Stimulation auf: mein Exhibitionismus. Deswegen werde ich mein Hündchen heute „Gassi führen“.

Der Kolumnist

Master André alias Dominus.Berlin (44) ist seit Jahren als Dominus in Deutschland, Schweiz und Österreich (www. dominus.berlin) tätig und gilt als Branchenführer der männlich-dominanten Sexarbeit.

Der gebürtige Rheinländer arbeitet seit Jahren in den bekanntesten Dominastudios sowie ebenfalls als Dozent für Themen rund um BDSM. Er ist zudem Sprecher für den Berufsverband für erotische und sexuelle Dienstleistungen (BesD).

 

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