Das Leben schreibt die schönsten Geschichten und so hat mein Leben für mich eine wundervolle Lovestory bereit gehalten von der ich zu Beginn nicht einmal erahnt habe, dass es sie geben könnte.

Es begann an unserer Abiparty. Eigentlich hatte ich auf diesen Abend überhaupt keine Lust und musste überredet werden, um irgendwann später noch auf dieser Party zu erscheinen. Die Party war bereits in vollem Gange als ich erschien und bereits am Eingang hörte ich, dass der Barkeeper eine 1A Sahneschnitte sein müsste. Jede empfahl mir schnell an die Bar zu gehen. Meine Neugier war geweckt. Wenige Minuten später stand auch ich an der Bar, doch meine Begeisterung hielt sich in Grenzen. Ein geleckter Südländer stand hinter dem Tresen, posierte, machte Show und flirtete rekordverdächtig mit den Damen. Ich verdrehte genervt die Augen. Also wenn die Damen den toll fanden, war ihnen auch nicht mehr zu helfen.

Nachdem ich einen Drink und ein schleimiges, überfreundliches Grinsen bekommen hatte, machte ich mich auf die Suche nach meinen Freunden. Der Abend verging, der Saal wurde langsam leerer und nur noch wenige Damen hingen an der Bar und schmachteten den Lackaffen an. Vermutlich hoffte jede von ihnen mit ihm nach Hause gehen zu können. Einfach nur peinlich. Als ich mir meinen letzten Drink des Abends holen wollte, fragte mich "Mr. Ich-bin-so-toll" nach meiner Nummer und ich hätte fast alles wieder ausgespuckt, was ich gerade schon in einem großen Schluck in den Mund genommen hatte. „Vergiss es, ich glaube für heute hast du gegenüber Nummern, da brauchst du meine nicht!“ raunte ich ihn an und widmete mich wieder das Tanzfläche.

 

Eine SMS von Unbekannt

Ich hatte die Abiparty bereits schon wieder vergessen als einige Wochen später eine seltsame SMS auf meinem Handy auftauchte. „Hallo Hübsche, ich hoffe dir geht es gut.“ Ich kannte die Nummer nicht und ignorierte die SMS. Doch der unbekannte Absender schrieb immer weiter, so dass ich irgendwann genervt zurückschrieb. Wer war das denn verflucht nochmal? Der unbekannte Absender stellte sich als der Barkeeper unserer Abiparty heraus und ich verwünschte denjenigen, der ihm meine Nummer gegeben hatte, denn ich war es nicht gewesen. Der Kerl nervte, meldete sich morgens und abends, sülzte mir die Ohren voll, machte Komplimente und ich hatte schon Angst demnächst auf einer Schleimspur ausrutschen zu müssen.

Er bat mich um ein Date, ich solle ihn doch erst einmal kennenlernen. Weswegen ich denn so abweisend wäre, was er getan hätte. Das wäre sein Job, dafür würde er abends an der Bar bezahlt werden, doch die Privatperson sei anders. Er ließ nicht locker und so kam es zu einem Deal. Er bekam sein eines Date und ich danach meine Ruhe und er stimmte zu.

Wenige Tage später fuhr ich mit dem Zug in die Stadt zu unserem Treffen. Eigentlich hatte ich absolut keine Lust und war bereits schon bei der Anfahrt genervt. Ich telefonierte mit einer Freundin, die sich wirklich amüsierte und nicht verstand, warum ich mich über den Typen so aufregte. Sie fand es toll wie er sich bemühte, meinte ich könne doch glücklich sein, wenn so ein Kerl Interesse an mir habe. Doch ich wollte nicht wissen wie viele Mädchen dieser Typ schon abgeschleppt und wie lang seine Liste war. Dafür war ich mir einfach zu schade.

 

Die absolute Krönung

Am Treffpunkt angekommen, war keine Spur von ihm zu sehen und in mir kochte es schon wieder. Ich fluchte und ärgerte mich und meine Freundin lachte nur lauthals am Telefon. „Ich hab dir gleich gesagt, dass der Typ nicht ehrlich ist. Der verarscht mich doch!“, fluchte ich. „Das glaube ich nicht, jetzt warte doch noch. Vielleicht verspätet er sich nur.“ Keine Nachricht auf dem Handy. Nichts und die Minuten verstrichen. Mir platzte der Geduldsfaden und ich ging in Richtung Gleis, um den Heimweg anzutreten. Da kam ein großer Mann auf mich zu, ganz in schwarz gekleidet und mit einem breiten Grinsen. „16 Minuten bin ich dir also wert zu warten!“ Es war der Barmann! „Was?“ „Du hast 16 Minuten auf mich gewartet, scheinbar bin ich doch nicht so furchtbar“, grinste er. Ich war sprachlos. Am anderen Ende der Leitung konnte ich neugierige Fragen hören, doch ich drückte den Anruf weg und schaute ihn an. War dies sein ernst, hatte er mich beobachtet?

„Komm, lass uns einen Kaffee trinken gehen.“ Er legte den Arm um mich und schob mich aus der Bahnhofshalle.  Ich war überrumpelt und ließ mich schieben. Ich ärgerte mich, aber irgendwie sah dieser Typ mit dem Zahnpastalächeln wirklich gut aus.

 

Alle Vorurteile und Ängste waren verflogen

Wenig später saßen wir in einem kleinen, gemütlichen Kaffee in einer ruhigen Ecke. Wir redeten und lachten und die Zeit verging wie im Flug. Erst als die Bedienung an unseren Tisch kam und uns bat zu gehen, da das Geschäft schließen würde, merkten wir wie die Zeit vergangen war. „Wohin gehen wir denn jetzt, junge Dame?“ fragte er mich. Wir liefen noch ein wenig durch die Stadt, doch langsam wurde es dunkel und frisch. „Möchtest du zu mir kommen, ich wohne hier nicht weit weg. Ist fast um die Ecke.“ Eigentlich hätten alle Alarmglocken angehen müssen, vermutlich war das seine Masche und es waren ihm zahlreiche Mädchen gefolgt. Und ich war nur eine weitere auf seiner Liste. Doch in diesem Moment wäre ich mit diesem Mann wohl bis ans Ende der Welt gegangen und ich nickte zustimmend.

Wenige U-Bahnhaltestellen weiter standen wir vor seiner Wohnung und kurz darauf in seinem Wohnzimmer. Wir setzten uns auf die Couch und redeten weiter und ich merkte wie sich ein Kribbeln im meinem Bauch breit machte. Das Kribbeln wurde ein Zittern, eine Anspannung, eine Sehnsucht …. wenige Zentimeter trennten uns. Wir schauten uns an. Und plötzlich nahm er seine Hand, zog mein Gesicht zu sich und küsste mich. Erst sanft, dann inniger und meine Welt drehte sich. Ich blieb die Nacht und den Morgen und noch viele weitere Monate und erlebte meine erste richtige Beziehung mit meiner ersten, großen Liebe. Und ich habe es bis heute nicht bereut mitgegangen zu sein.

 

Foto: © pixabay                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                  

Pin It

Mitmachen

Du möchtest an dieser Stelle deine Zeilen lesen? Dann sende uns deinen Text einfach via E-Mail an redaktion@herz-im-schritt.de

Gerne veröffentlichen wir auf Wunsch auch deinen Namen. Wichtig bei einer Veröffentlichung ist aber in jedem Fall, dass du auch tatsächlich der Verfasser des Textes bist!

Werbung