Ich hatte einen netten Kerl kennengelernt. Groß, dunkle Haare, helle Augen und schnell hatten wir uns verstanden. Wir trafen uns immer häufiger und ich begann ihn immer mehr zu mögen. Doch ich merkte, dass sich das irgendwie nicht auf beiden Seiten so verhielt.

Irgendwie wollte er mich, doch irgendetwas hielt ihn auch davon ab. Bei einem nächtlichen Spaziergang erzählte er mir dann von seiner Exfreundin, die bei ihm auf der Arbeit nach wie vor beschäftigt war und die er jeden Tag sehen würde. Und wenn er jetzt daran denken würde, dass es mich geben würde und sie dann täglich anschauen müsste, dann würde sie ihm leidtun, sie wäre ja so alleine.

Ich hoffte, das nicht verstehen zu müssen. Doch jetzt war die Büchse der Pandora geöffnet und er erzählte mir immer häufiger von der Vorgängerin. Welche Probleme die beide hatten, was besonders toll in der Beziehung war und wie es zum Ende gekommen war. Die Dame hatte ihn abserviert gehabt und irgendwie beschlich mich langsam das Gefühl, dass er es war, der mit der Sache noch nicht so abgeschlossen hatte. Ich war langsam genervt.

 

Im Universum der Ex gefangen

Jedes Mal, wenn er sie bei der Arbeit gesehen hatte, erzählte er mir danach, was sie anhatte, wie sie die Haare gestylt hatte, ob sie glücklich oder traurig aussah. Es ging sogar soweit, dass er mich an manchen Tagen nicht sehen wollte, da er sich erst einmal wieder sortieren müsste, da diese Zeit für ihn ja auch sehr hart sei. Ich erfuhr, dass die Beziehung der beiden nur wenige Wochen vor unserem Kennenlernen geendet hatte und schon seit ewigen Zeiten ein On-Off-Drama sei, da die gute Dame verheiratet war.

Er nahm sich Urlaub, eine gute Idee wie ich fand, denn jetzt sah er die Dame eine Weile nicht. Ich wollte ihn besuchen, doch er wollte lieber ein wenig auf der Konsole spielen. Das war mir aber egal und so startete ich einen Überraschungsbesuch. Er freute sich mich zu sehen, wollte mich aber erst nicht in die Wohnung lassen und dann versuchte er mich irgendwie loszubekommen. Zumindest hatte ich das Gefühl. Er war leicht hektisch, meinte er müsse spätestens um die und die Uhrzeit wieder online gehen, sonst würden die Leute beim Zocken auf ihn warten. Na gut, ein bisschen Zeit für sich sollte er ja auch haben, schließlich war es ja sein Urlaub. Und so saß ich kurze Zeit später mittags auf seinem Sofa in der kleinen Einzimmerwohnung. Wir kuschelten auf dem Sofa und hatten Mal keine Diskussion. Wie schön wäre es, wenn das häufiger so wäre. Da klingelte es an der Tür.

 

Wenn es dreimal klingelt

Panik stieg in seine Augen, ich solle auf der Couch bleiben und mir keinen Kopf machen. Er öffnete die Tür und ich konnte an ihm vorbei ein Bildnis erkennen, dass ich so schnell nicht mehr vergessen würde. Vor der Tür stand eine Frau mit langen dunklen Haaren in einem Trenchcoat, den sie kurze Zeit später aufriss und melodisch säuselte: „Das gehört alles dir, mein Schatz!“ Sie wackelte mit dem Becken hin und her. Ich konnte die bleiche Haut, den dünnen Körper und die Rippen, die man unter den zwei flachen und leeren Hautlappen, die vielleicht irgendwann mal zwei schöne Brüste mit mega Nippeln gewesen waren, erkennen konnte, sehen und zwischen den Beinen ein riesiger schwarzer Urwaldpelz, der über das Schambein zu den Innenschenkeln reichte. Die Frau stand einfach splitterfasernackt vor der Haustür. Vielleicht über vierzig oder sogar älter. Und ich begriff: das war die Exfreundin. Die einsame Exfreundin, die so wundervoll gewesen war und die er schon längst abgehakt hatte und deswegen sooft über sie sprach. Ich schaute wie erstarrt auf die Frau, die so gar nicht meinem Bildnis von hübsch und wundervoll entsprach und deren Anblick mir ein Schaudern verpasste.

Ich stand auf, schnappte meine Sachen, drückte mich an den beiden im Türrahmen vorbei und wünschte ihnen viel Glück. Bereits auf dem Heimweg blockierte ich seine Nummer, denn eine weitere seltsame Erklärung für diese Aktion wollte ich nicht hören.

 

Foto: © pixabay

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