Heute hielt ich das Buch „Séduire Silvester“ in der Hand und war schon sehr gespannt. Es handelt sich hierbei um einen erotischen Patchwork-Roman, der 2015 im Cupido Verlag erschienen ist. Geschrieben wurde das Buch von Vio Carpone, Marc S. Fey, Laura Gambrinus, Greta Leander und Jana Ohn.

Das Konzept „Patchwork-Roman“ finde ich ausgesprochen interessant. Da der Schauplatz ein Schloss in Schottland ist und es von Earl George Lowenstein und seiner Familie, dem Butler Victor, Baroness Pomeroy und ein paar anderen Personen handelt, ordnet man die Geschichte erstmal eher in der Vergangenheit ein. Nach kurzer Zeit stellt sich jedoch heraus, dass das Buch dennoch im Smartphone-Zeitalter spielt.

An Silvester gibt der Earl auf seinem Anwesen jedes Jahr eine große Silvesterparty mit auserwählten Gästen. Er nutzt diese Gelegenheit sehr gerne für ein Kostümfest, wobei es dieses Jahr auf Wunsch von Sohn Philip erstmals eine separate Kostümparty für die jüngere Generation gibt. Aus diesen beiden Veranstaltungen wird nun eine bunte Mischung aus Lust, Humor, Sex und dem einen oder anderen Fetisch.

 

Eine sehr gute Idee im Grundsatz

Die Umsetzung der Patchwork-Idee gestaltete sich so, dass die einzelnen Kapitel jeweils von einem der Autoren aus der Sicht einer bestimmten Person geschrieben wurden. Vom Grundsatz gefiel mir das sehr gut! Allerdings beginnt das Werk mit einem, meiner Meinung nach, viel zu langatmigen und schwierigen Prolog aus der Perspektive des Butlers Victor. Zwar wird versucht, hier und da etwas Witz einfließen zu lassen, aber das überzeugte mich zumindest an dieser Stelle noch sehr wenig.

Da meine Neugier überwog, las ich dennoch weiter. Aber leider blieb für mich die große Wende aus. Zwar waren die einzelnen Kapitel meist angenehmer geschrieben, als der besagte Prolog, aber dennoch wirkte das Ganze auf mich eher wie ein plumper Versuch, Witz, Erotik und verschiedene Facetten der Lust in ein Buch zu packen. Schön fand ich die Momente, in denen eine Situation aus einem Kapitel mit Liebe zum Detail etwas später aus der Sicht einer anderen Person aufgeklärt wurde. Aber die Geschichte an sich konnte mich leider gar nicht überzeugen. Für meinen Geschmack wurde hier viel zu viel in einen Topf geworfen. Zwar ergibt das ein Stück weit Sinn, da hier viele Menschen aufeinander treffen und natürlich jeder andere Vorlieben und Neigungen hat. Aber für mich war es dennoch zu viel.

Ein Mann der Frauenkleider trägt, Befehle, Orgasmuskontrolle, Gay-Sex, hier und da ein Quickie – teils zwischen vollkommen Fremden, die sich durch die Verkleidung teilweise gar nicht sehen konnten und natürlich auch noch ein nicht ganz freiwilliger MMF mit BDSM-Touch (wobei sich der Verlag im Schlusswort von jeglicher sexueller Gewalt und Handlungen gegen den Willen anderer Menschen ausdrücklich distanziert, was mir sehr positiv auffiel!).

Auch wenn es angenehm zu lesen war und ich auch an der einen oder anderen Stelle durchaus schmunzeln musste, konnte mich das Buch nicht mitreißen und die Versuche Lust und Erotik zu übermitteln, empfand ich in den meisten Fällen eher langweilig, manchmal sogar fast schon lächerlich.

Wenn man viel Langeweile hat, kann man das Buch durchaus lesen, aber ich würde es nicht aktiv weiterempfehlen. Daher kann ich an dieser Stelle auch nur 1 Herzchen geben – für die Patchwork-Idee und die grundsätzliche Umsetzung ebendieser.

 

Unsere Bewertung:

 

Cover: © Cupido Verlag

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