Mit zarten 24 Jahren begann das Thema „Swingerclub“ mich sehr zu interessieren und ich recherchierte online ganz ausgiebig. Da die Gesellschaft und die Medien hier teilweise ein sehr skurriles Bild vermitteln, wollte ich mir doch ganz gerne meine eigene Meinung bilden.

Allerdings vergingen noch weitere 3 Jahre, bis ich mich endlich zu meinem ersten Besuch in einem Swingerclub in meiner Nähe aufraffen konnte. Uns so stand ich als junge Frau ganz allein vor den Türen des Clubs und wartete auf die Eröffnung der heutigen Veranstaltung. Ein paar andere Menschen waren ebenfalls dort und ich machte den „Fehler“ einen Herrn freundlich anzulächeln. Ich ahnte es noch nicht, aber durch diese kleine Geste hatte ich direkt meinen ersten Abend dort ruiniert. Dazu aber nachher mehr.

 

Als die Türen geöffnet wurden, empfing man mich direkt sehr freundlich und herzlich. Zwar war es eine komische Situation, aber ich fühlte mich sofort sehr wohl und gut aufgehoben. In der Umkleide zog ich mir das gewählte Outfit an, schloss meine Habseligkeiten in den Spind und machte mich etwas unsicher auf den Weg zur Bar. Dort stand ich dann mit meinem Hugo und ließ die vielen neuen und teilweise noch befremdlichen Eindrücke auf mich wirken. Zumindest war das der Plan.

Dieser wurde allerdings innerhalb weniger Minuten von meinem neuen Verehrer, den ich mir ja versehentlich auf dem Parkplatz angelacht hatte, durchkreuzt, denn der gute Mann stellte sich neben mich und wich mir nicht mehr von der Seite! Unsicher, wie ich damals war, unterhielt ich mich freundlich, aber zurückhaltend, mit ihm. Ein paar Mal berührte er mich unterhalb der Gürtellinie – ich schob die Hand jedes Mal weg. Stutzig wurde ich dann, als er mir erklärte, wir könnten ja Urlaub in seiner Heimat machen und – Achtung! – heiraten und Kinder bekommen, sei ja auch gar kein Problem. Mir blieb die Spucke weg, denn das war ja so gar nicht das, was ich hier eigentlich gesucht hatte!! Schließlich dachte ich ja, in einem Swingerclub ging es um Sex, Erotik und die Lust fremde Haut zu spüren!

 

 

Ein Abend, der anders lief als gedacht

Allerdings war das Glück auf meiner Seite, denn ich traf auf ein paar sehr nette Stammgäste, die mich dann in ihre Mitte nahmen. So saßen wir gemütlich bei einem kühlen Drink auf der Terrasse und plauderten. Dennoch war mir die Lust für diesen Abend absolut vergangen. So genoss ich das gute Essen, die Getränke und die netten Gespräche und fing an, mich in den sexy Dessous fremden Menschen gegenüber auch wohlzufühlen.

Irgendwann fragte die Dame neben mir „Hast du Stress mit deinem Freund?“. Da staunte ich nicht schlecht und fragte nur „Welcher Freund?!“. Sie zeigte mir den Herrn und ich erkannte meine Bekanntschaft vom frühen Abend wieder, woraufhin ich ihr erklärte, dass ich diesen Mann gar nicht kenne! Nun war sie es, die große Augen machte und mir erklärte: „Er hat uns gesagt, du seist seine Freundin und wir sollen alle nicht mit dir reden!“

 

Halleluja, wo war ich hier nur gelandet?? Ich fragte mich ernsthaft, ob ein Swingerclub wirklich das Richtige für mich war. Zwar genoss ich die Atmosphäre sehr, aber ich war doch absolut nicht auf der Suche nach einer festen Partnerschaft, sondern wollte mich und meine Lust einfach ausleben!

Nun gut… der Abend neigte sich dem Ende zu und lang nach Mitternacht fuhr ich nach Hause, um meine doch sehr enttäuschten Erwartungen zu verdauen und mir Gedanken darüber zu machen, ob die Swingerszene wirklich „meine Welt“ sein konnte…

 

Foto: © pixabay